
Die Jagd polarisiert. Kein anderer meiner Filme trifft zugleich auf soviel Abnehmer und Gegner. Ich habe als Tierfilmer an der Elchjagd in Schweden teilgenommen und darüber eine 43min. Dokumentation auf DVD herausgebracht.
Die Kritik trifft nicht mich als Tierfilmer sondern das Thema Jagd im Allgemeinen.
„Die sollten sich schämen“, „Blut und Eiter stimmen uns heiter“, „Jagd sollte verboten werden“, so die zahlreichen Kommentare und Emails.
Und ich kann diese Ablehnung und Abneigung teilweise leider nachvollziehen. Ich arbeite als Tierfilmer und habe selbst einen Jagdschein. In der Jagdschule habe ich damals gelernt, „Jäger sind Naturschützer“. Der Jäger ist dafür zuständig, das natürliche Gleichgewicht und einen gesunden Bestand zu gewährleisten. Soweit die Theorie. Die Praxis hat mich jedoch recht häufig wirklich entsetzt. Da wurde unter den Jägern groß geprahlt: „…da habe ich mir ein paar Katzen im Garten gefangen und hier oben im Wald geschossen…Was sind die toll gerollt!“ oder es werden aus lauter Langeweile einfach ein paar Vögel vom Baum geschossen.
Der Fuchs als Feind Nummer 1 wird in die Hüfte geschossen und verletzt im Wald gelassen, wo er jämmerlich eingeht und auch der Abschuss von Jungfüchsen am Bau führt nicht dazu, dass Jäger große Sympathien in der Öffentlichkeit ernten werden.
Diese Einstellung zur Jagd hatte für mich überhaupt nichts mit dem Sinn der Jagd und schon gar nichts mit Naturschutz zu tun. Nach diesem sehr kurzen Ausflug in das Lager der Jäger habe ich mich ganz schnell wieder von dort zurückgezogen.
Dabei ist die Jagd ein ganz natürlicher Vorgang. Überall in der Natur gibt es Jäger und Gejagte. Kein Mensch würde dem Löwen einen Vorwurf machen, wenn er das Zebra reißt um seine Jungen zu ernähren. Es ist vielleicht die Perfektion mit der der Mensch die Tiere verfolgt und im Übermaß der Natur entnimmt. Leider habe ich gerade in den letzten Jahren das Gefühl, dass unter dem Vorwand des Wildschadens am besten sämtliches Wild geschossen werde sollte. Besonders in Deutschland baut sich eine regelrechte Feindschaft auf. Der Mensch beansprucht jeden Quadratzentimeter, bebaut, beackert und bepflanzt und nimmt unseren Wildtieren jeglichen Lebensraum. Und so steigt die Höhe des Wildschadens. Dies führt dann zu solchen Perversionen, die wir vor einigen Jahren erleben mussten, als tatsächlich gefordert wurde das Militär gegen Wildschweine einzusetzen.
Im Sinne eines positiveren Ansehens der Jäger in der Öffentlichkeit wäre es vielleicht sinnvoll, sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben der Jagd zu besinnen und nicht einen Krieg gegen unsere Wildtiere führen zu wollen. Ich hoffe, dass wir alle auch den Anblick unsere scheuen Wildtiere genießen können, ohne sofort jedes Lebewesen als Beute zu sehen. Haben wir unsere Wildtiere erst soweit dezimiert, dass man nichts mehr beobachten kann, dann ist es auch mit der Jagd vorbei.
Ich persönlich genieße jedenfalls unser mitgebrachtes Elchfleisch aus Schweden und auch die Äußerungen, das der arme Elch dafür sterben musste, lasse ich nicht so einfach gelten.
Denn meist kommen diese Äußerungen von Menschen, die im selben Augenblick im nächsten Supermarkt ihre Bratwurst oder ein schönes Schweineschnitzel kaufen. Der Elch, der bei der Jagd in Schweden geschossen wurde, lebte bis dahin in seiner natürlichen Umgebung. Er war gesund, konnte sich frei bewegen und wurde bei einer Jagd geschossen bei der er nicht von einer Meute Hunde in wilder Panik durch den Wald gejagt wurde. Die Kugel hat den Elch völlig unerwartet getroffen und er war binnen weniger Sekunden tot.
Um dieses Schicksal können Millionen Nutztiere den Elch nur beneiden. Sie werden in engen Ställen innerhalb weniger Monate schlachtreif gemästet. Vollgestopft mit Mastfutter und Medikamenten werden sie nach einer kurzen und bestimmt unangenehmen Lebenszeit in einen überfüllten Viehtransporter geprügelt. Knochenbrüche, Verletzungen und Todesfälle werden dabei in Kauf genommen. Wie die neusten Berichte vermelden, werden diese Tiere im Schlachthof dann nicht einmal ordentlich getötet sondern sind teilweise während der Schlachtung noch bei Bewusstsein.
Na dann, guten Appetit!
Wer Fleisch konsumieren möchte, muss damit leben, dass für ihn ein Tier sterben musste.
Ich persönlich bevorzuge dann unser Elchfleisch. Unsere Nutztiere kann ich nur bedauern.
Wenn Jagd nachhaltig und vernünftig betrieben wird, kann man dies eigentlich nicht kritisieren.
Und somit liegt es in der Verantwortung der Jäger dafür zu sorgen, dass die Jagd wieder mit Natur- und Tierschutz in Verbindung gebracht wird.
Jagdgegner respektiere ich selbstverständlich, solange sie so konsequent sind, auf Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten.
Jens Klingebiel (41) produziert in erster Linie sogenannte Stockfootage. Stockfootage sind kurze Filmsequenzen, die in anderen Dokumentationen, TV, Werbung oder auf Webseiten genutzt werden. Darüber hinaus hat der Tierfilmer auch eigene Dokumentationen produziert, wie z.B. Traumland Schweden, Wildes Europa oder der neuste Film Elchjagd in Schweden.
Mehr von Jens Klingebiel gibt es auf www.wildlife-stockfootage.de und www.DVD-Tierfilme.de